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Methodik

Methodik v2.3

Diese Methodik wird kontinuierlich auf Basis empirischer Daten verfeinert. Alle Änderungen werden versioniert und dokumentiert. Jeder Text wird nach demselben Maßstab bewertet – unabhängig von Textart, Länge, Thema oder Herkunft.

Wie das Rating funktioniert

Jeder analysierte Artikel eines Medienportals erhält einen individuellen Score. Die Artikel-Scores werden zu einem Gesamtrating für das Portal aggregiert. Der gesamte Prozess ist vollautomatisiert — ohne redaktionelle Einflussnahme oder portalspezifische Gewichtung.

1. Artikel-Score: Vier-Faktor-Modell

Jeder Text wird auf über 30 Überzeugungstechniken in 9 Kategorien analysiert. Der Score (0-100) setzt sich aus vier gewichteten Komponenten zusammen:

Dichte

höchstes Gewicht

Erfasst, wie häufig Überzeugungstechniken auftreten. Die Messung ist längenneutral – gleich viele Techniken ergeben denselben Wert, unabhängig von der Textlänge.

Intensität

hohes Gewicht

Berücksichtigt den Schweregrad der Techniken (gering/mittel/hoch) und die Relevanz der jeweiligen Kategorie. Wenige, aber starke Techniken wiegen schwerer als viele schwache.

Vielfalt

mittleres Gewicht

Misst die Bandbreite der eingesetzten Techniken. Ein Text, der viele verschiedene Kategorien mischt, gilt als vielschichtiger als einer, der nur eine Technik wiederholt.

Zusammenwirken

ergänzendes Gewicht

Erfasst Verstärkungseffekte, wenn mehrere unterschiedliche Techniken in derselben Passage – etwa im selben Satz – gemeinsam auftreten.

Kalibrierung & Skala

Aus den vier Faktoren entsteht zunächst ein internes Rohsignal. Dieses wird über eine feste, versionierte Kalibrierungskurve auf den 0–100-Wert abgebildet. Die Kurve ist so verankert, dass ein Text ohne erkannte Techniken den Wert 0 erhält und sich die Bewertungen sinnvoll über die gesamte Skala verteilen. Der Wert ist ein Vergleichsindex (50 entspricht etwa einem typischen Text), kein Prozentsatz. Längenunterschiede werden ausgeglichen, sehr kurze Texte werden als „begrenzte Datenbasis“ gekennzeichnet. Da eine Analyse aus einem bis sechs Analyseschritten bestehen kann, werden Teilanalysen auf ihr erwartetes Vollanalyse-Äquivalent hochgerechnet und fließen mit einem geringeren Gewicht in das Portal-Rating ein — eine gründlichere Analyse verändert so die Vergleichbarkeit nicht. Innerhalb einer Methodikversion bleibt die Bewertung eines Textes stabil.

Modul-Scores & Beitrag

Die Analyse ist in bis zu sechs Module gegliedert (z. B. Kern-Manipulationstechniken, logische Fehlschlüsse, Framing). Jedes Modul erhält zwei Werte: Der Modul-Score (0–100) vergleicht die Signalstärke des Moduls mit dem, was Texte in diesem Modul typischerweise zeigen — 50 entspricht einem typischen Text, 0 bedeutet keine Funde. Jedes Modul wird dabei an seiner eigenen Vergleichsverteilung kalibriert; Module mit noch schmaler Datenbasis nutzen eine gemeinsame, robuste Referenzverteilung und werden bei wachsender Datenbasis automatisch auf eine eigene Kalibrierung umgestellt. Der Beitrag (in %) zeigt, welchen Anteil das Modul am gesamten erkannten Signal dieses Textes hat — die Beiträge aller Module summieren sich zu 100 %. Modul-Scores und Beiträge dienen der Einordnung innerhalb einer Analyse; in das Portal-Rating fließt ausschließlich der Gesamt-Score ein.

2. Portal-Rating: Aggregation

Einzelne Artikel-Scores werden zum Gesamtrating eines Medienportals zusammengefasst:

1

Quellengewichtung

Jede Analyse erhält ein Vertrauensgewicht basierend auf der Quelle: Registrierte Nutzer (1.0), Automatisiert (0.8), Anonym (0.7), Seed-Daten (0.5).

2

Getrimmter Mittelwert

Bei 10 oder mehr Analysen werden die oberen und unteren 10 % der Scores ausgeschlossen, um Ausreißer-Resistenz zu gewährleisten. Unter 10 Analysen fließen alle Datenpunkte ein.

3

Invertierung

Der Composite-Score wird invertiert: Composite = 100 − Durchschnitt. Weniger erkannte Techniken = höherer Score = besseres Rating.

4

Vorläufig-Markierung

Ratings mit weniger als 10 Analysen werden als ‚vorläufig' gekennzeichnet, um auf die begrenzte Datenbasis hinzuweisen.

3. Bewertungsskala

Der Composite-Wert eines Portals wird einer Buchstabennote zugeordnet. Die Schwellenwerte orientieren sich an der tatsächlichen Verteilung der bewerteten Portale, sodass sich die Noten sinnvoll von A bis F verteilen. Ein durchschnittliches Portal liegt im C-Bereich.

GradeCompositeAvg. TechniquesBedeutung
A+≥ 82Ø ≤ 18Deutlich weniger Techniken als die meisten Portale
A≥ 75Ø ≤ 25Sehr wenige Techniken
A-≥ 68Ø ≤ 32Wenige Techniken
B+≥ 62Ø ≤ 38Unterdurchschnittliche Technikdichte
B≥ 57Ø ≤ 43Leicht unterdurchschnittlich
B-≥ 52Ø ≤ 48Nahe am Durchschnitt
C+≥ 47Ø ≤ 53Durchschnittliche Technikdichte
C≥ 42Ø ≤ 58Leicht überdurchschnittlich
C-≥ 37Ø ≤ 63Überdurchschnittliche Technikdichte
D≥ 27Ø ≤ 73Deutlich überdurchschnittlich
F< 27Ø > 73Sehr hohe Technikdichte

4. Trend-Berechnung

Für jedes Portal werden 7-Tage- und 30-Tage-Trends berechnet. Diese vergleichen den quellengewichteten Durchschnitt der jüngsten Analysen mit dem aktuellen Composite-Score. Ein positiver Trend bedeutet Verbesserung (weniger Techniken erkannt), ein negativer bedeutet Verschlechterung.

5. Neutralitätsprinzipien

  • Vollautomatisiert — keine redaktionelle Einflussnahme auf Scores oder Ratings
  • Keine portalspezifische Gewichtung — jede Analyse wird identisch verarbeitet
  • Keine Vorannahmen — die Methodik bevorzugt oder benachteiligt kein Portal, unabhängig von dessen Ausrichtung oder Reputation
  • Nachvollziehbar — jedes Rating lässt sich auf die zugrundeliegenden Einzelanalysen zurückverfolgen
  • Versioniert — Methodikänderungen werden dokumentiert und veröffentlicht

6. Was diese Methodik nicht misst

Eine Bewertung ist nur so belastbar wie die Aussagen, die sie unterlässt. Zwei Fragen werden regelmäßig an dieses Rating gestellt. Auf beide lautet die Antwort: das messen wir nicht — nicht abgeschwächt, nicht als Signal, nicht als Vorabversion.

  • Ob ein Text mit Hilfe von KI-Werkzeugen entstanden ist

    Es gibt Verfahren, die das schätzen. Ihre Fehlerquote auf deutschsprachigen Texten ist unveröffentlicht, und sie steigt drastisch bei Übersetzungen: Ein Anbieter, der seine eigenen Zahlen offenlegt, misst 0,4 % Fehlalarme auf menschlichen Texten — und 28 %, sobald derselbe Text durch zwei Übersetzungen gelaufen ist. Ein erheblicher Teil deutscher Nachrichtentexte ist genau das: übersetzte Agenturmeldung. Vor allem aber misst kein Verfahren das, worauf es ankäme. Ein Text kann maschinell formuliert und gedanklich vollständig eigenständig sein — wer eine eigene Beobachtung mit einem Werkzeug in Sätze bringt, hat die Denkleistung erbracht, nicht das Werkzeug. Eine Zahl, die „maschinell formuliert“ misst und als „nicht selbst gedacht“ gelesen wird, ist kein vorsichtiges Ergebnis, sondern ein falsches.

  • Ob ein Text Bestandteil der Daten war, mit denen ein Sprachmodell trainiert wurde

    Diese Frage ist mit den heute verfügbaren Schnittstellen technisch nicht beantwortbar. Jedes veröffentlichte Verfahren braucht dieselbe Größe: wie erwartbar das Modell jedes einzelne Wort des eingereichten Textes findet. Kein von uns eingesetzter Dienst gibt sie heraus. Und dort, wo die Forschung sie messen konnte, liegt die Trefferquote nahe am Zufall. Prüfarbeiten aus dem Jahr 2024 zeigen zudem, dass frühere Erfolgsmeldungen auf einem Artefakt beruhten: Die Verfahren erkannten das Veröffentlichungsdatum eines Textes, nicht die Erinnerung des Modells an ihn. Hinzu kommt, dass die Betreiber der Modelle ihre Trainingsbestände nicht offenlegen — es gäbe also keine Instanz, an der sich eine solche Behauptung je überprüfen ließe.

Was stattdessen gilt: Diese Plattform kennzeichnet ihre eigenen Analysen als automatisiert erzeugt und nicht redaktionell einzelgeprüft. Über fremde Texte trifft sie nur nachprüfbare Aussagen — welche Techniken im Text belegbar sind, und in der Herkunftsprüfung, welche Formulierungen sich in bereits veröffentlichten Quellen wiederfinden, jeweils mit Fundstelle und Datum. Dass sich nichts finden ließ, ist dabei kein Beweis für das Gegenteil.

7. Wissenschaftliche Grundlagen

Der Scoring-Algorithmus basiert auf etablierten Forschungsansätzen:

  • Propaganda-Analyse (Institute for Propaganda Analysis, 1937-1942) — Taxonomie der Überzeugungstechniken
  • Shannon-Informationstheorie (1948) — Entropie-basierte Diversitätsmessung
  • Psycholinguistik (Weber-Fechner, Zipf) — Wahrnehmungsskalierung
  • Medienanalyse (Herman & Chomsky, 1988) — Propagandamodell und Framing
  • Zusammengesetzte Indikatoren (OECD/JRC-Handbuch, 2008) — Normalisierung und Verteilung von Kennzahlen
  • Kalibrierung von Bewertungsskalen (monotone bzw. Perzentil-Verfahren) — stabile, über Texte hinweg vergleichbare Skalen

8. Rekalibrierung

Die aktuelle Skala (v2.3) ist an der tatsächlichen Verteilung der bislang analysierten Texte kalibriert. Mit wachsender und breiter gefächerter Datenbasis (mehr Portale, Themen und Sprachen) wird die Kalibrierung neu berechnet und als neue Methodikversion mit vollständigem Änderungsprotokoll veröffentlicht. Innerhalb einer Version bleibt die Bewertung eines Textes stabil.

9. Änderungsprotokoll

Jede Methodikversion, die veröffentlichte Bewertungen verändert hat, ist hier mit Datum, Anlass und Auswirkung dokumentiert.

  1. v2.3Korrektur der Prüftiefe2. August 2026

    Eine Analyse kann zwischen einem und sechs Prüfschritten umfassen. Bis v2.2 wurden Analysen mit wenigen Schritten systematisch zu mild bewertet — im Extremfall um 18 Punkte —, weil zwei der vier Faktoren (Vielfalt der Kategorien und Kombination von Techniken) nicht auf die nicht ausgeführten Schritte hochgerechnet wurden. v2.3 rechnet jeden Faktor auf seiner eigenen Skala hoch. Die verbleibende Abweichung zwischen flachen und vollständigen Analysen liegt bei 3,7 Punkten.

    Zwei von sechs veröffentlichten Noten haben sich geändert, beide nach oben: zeit.de von D auf C−, spiegel.de von C− auf C. Die Reihenfolge der Rangliste blieb unverändert. Analysen mit allen sechs Prüfschritten sind rechnerisch unverändert geblieben. Einzelne Artikel-Scores haben sich in beide Richtungen verschoben.